Test von
S. Grund
Was hat die FIFA-Serie von Electronic Arts und der FC Schalke
04 gemeinsam? - Trotz guter Leistungen holen immer andere den Titel! Im
Falle von EA musste sich der Branchenriese in den letzten Jahren
regelmäßig dem Konkurrenten Pro Evolution Soccer geschlagen geben, denn
bis jetzt hatten die Japaner von Konami in Sachen Spielbarkeit immer
leicht die Nase vorn. Das das soll sich mit Fifa 09 nun endgültig
ändern. Wir haben die Entwickler in München getroffen und das neueste
Update ausführlich angespielt. Ob der große Durchbruch gelungen ist,
oder sich EA abermals mit dem zweiten Platz zufrieden geben muss,
erfahrt ihr in unserem Hands-On zu FIFA 09.
Große Ankündigungen....Die
ganz große Revolution sollte bei Fifa 09 niemand erwarten. Vielmehr
beschränken sich den Entwickler darauf, alte Schwächen auszumerzen und
die Stärken des Vorgängers noch zu verfeinern. Um dabei dem Anspruch
einer Fußball-Simulation gerecht zu werden, wurden insgesamt 250
Verbesserungen an der Spielmechanik vorgenommen. Diese betreffen
insbesondere die Spieldynamik, die Animationen der Spieler und die
Ballphysik. Das Spielgeschehen soll insgesamt flüssiger und die
Bewegungen der Fußballer dank 350 neuer Animationen noch realistischer
ausfallen. Stichwort „Höchste Disziplin“: Um eure Mannschaft optimal
auf den Gegner einzustellen, wird es 140 offensive und 40 defensive
Ausrichtungen geben – Sollen eure Spieler schon früh die Räume dicht
machen, oder setzt ihr ganz auf die Offensive?
Bei den Spielmodi wird neben den bekannten Turnieren und dem
umfangreichen Manager-Modus auch wieder auf den beliebten „Be a
Pro“-Modus gesetzt. Im Gegensatz zum Vorgänger, bei dem sich dieser
Modus nur auf einfache Trainingsspiele beschränkte, könnt ihr euren
Spieler nun über vier Spielzeiten begleiten. Ziel ist es, ihn durch
gute Leistungen zum „Nationalen Helden“ aufzubauen. Neben dem
Singleplayer-Modus wird es auch eine Online-Variante geben, in der ihr
mit neun Spielern aus aller Welt eine Mannschaft bilden könnt.
.....Und die harte RealitätNach
den vollmundigen Ankündigungen konnten wir dann endlich FIFA 09
antesten und schon nach den ersten Partien viel uns auf, dass sich
spielerisch gegenüber dem Vorgänger FIFA 08 nicht viel getan hat. Die
Ballphysik ist immer noch ordentlich, jedoch immer noch nicht optimal.
So bewegt sich das Leder zwar realistisch über den Rasen, doch leider
haben selbst Topstars wie Ronaldo, Ballack & Co. immer noch
Probleme mit der Ballannahme. Zu viele Bälle verspringen unnötig und
landen beim Gegner. Es ist unglaublich schade, dass es den Entwicklern
wieder nicht gelungen ist, die Ballphysik drastisch zu verbessern. Das
Pass-und Flankenspiel funktioniert hingegen sehr ordentlich und ist
sogar noch etwas anspruchsvoller als in Fifa 08 ausgefallen. Nur mit
geschickten Zuspielen und dem richtigen Pass kann eine Abwehr
überwunden werden. Wie im Vorgänger führen meist Flanken von Außen zum
Torerfolg.
Leider ist die KI der Mitspieler, besonders in der Offensive, noch
verbesserungswürdig. Die Laufwege der Teamkameraden sind all zu oft
nicht nachvollziehbar, was wieder zu vielen überflüssigen Fehlpässen
führt. Richtig enttäuscht waren wir von der KI der Torhüter. Die
Leistung des Hintermanns schwankt immer noch zu oft zwischen Weltklasse
und Kreisliga – Warum der Torwart bei einfachen Bällen nicht aus seinem
Kasten kommt, bleibt wohl auch in FIFA 09 weiterhin ein Geheimnis.
Neben diesen Kritikpunkten gibt es aber auch durchweg Positives zu
berichten, denn FIFA 09 wirkt in Sachen Animationen noch einen Tick
realistischer. Die herausragenste Verbesserung gegenüber dem Vorgänger
ist in diesem Zusammenhang das Zweikampfverhalten der Spieler. Um jeden
Ball wird erbittert gekämpft und wie in der Realität wird dabei
gedrückt, geschoben und das Leder mit dem Körper abgeschirmt. Besonders
gut hat uns auch das Zweikampfverhalten bei Kopfball-Duellen gefallen,
denn hierbei spielt die Statur und das Gewicht der Spieler eine
wichtige Rolle. So kann es passieren, dass ein Spieler wie Philipp Lahm
nach einem Duell mit einem kompakterem Akteur unweigerlich auf dem
Rücken landet – Alles physikalisch korrekt. Auch bei Fouls rutschen die
Spieler nun in die richtige Richtung und bleiben nicht wie beim
Vorgänger einfach auf dem Rasen liegen. Eine wirkliche Prämiere bei
FIFA 09 feiert das Schiedsrichtergespann, denn die Unparteiischen sind
zum ersten Mal in der Geschichte der Serie während der gesamten
Spielzeit auf und neben dem Platz anwesend.
Die Narbe von Frank RiberySo
wenig wie sich FIFA 09 in Sachen Spielbarkeit von seinem Vorgänger
unterscheidet, so wenig wurde auch an der Grafik verändert. Die
Bewegungen der Spieler sehen zwar dank neuer Animationen einen Tick
besser aus und auch die Gesichter der Stars sind geradezu
fotorealistisch dargestellt, jedoch müssen viele Spieler wieder auf
ihre echte „Visage“ verzichten – Aber das kann sich bis zum Release im
Oktober noch ändern. Die Stadionatmosphäre konnten wir mangels
fehlender Fangesänge noch nicht bewerten und auch die deutschen
Kommentatoren waren in unserer Preview-Version noch nicht enthalten.
Die englischen Sprecher machten während der gesamten Testphase aber
einen guten und kompetenten Eindruck – Das konnte man in den letzten
Jahren von den deutschen Sprechern nicht gerade behaupten.